Organisationsmöglichkeiten und Notwendigkeiten zur Implementierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements im Sinne der Personalaquise und Personalbindung

Ein Beitrag von Silvana Frank

Gesunde engagierte Mitarbeiter sind eine wichtige Voraussetzung für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen zur gesundheitsgerechten Arbeitsplatzgestaltung und Unterstützung gesundheitsgerechten Verhaltens. Hierbei mögliche umzusetzende Maßnahmen könnten sein:

  • Gesundheitszirkel
  • Raucherentwöhnung
  • Rückenschulen
  • Ernährungs- und Stressbewältigung
  • Burn out Prophylaxe
  • Entspannungstechniken
  • Validation und Konfliktmanagement


Aktuelle Ereignisse, wie zum Beispiel der permanent ansteigende Krankheitsstand auf Grund von Überbelastung des Pflegepersonals oder Aktionsprogramme der Krankenkassen zur gesundheitlichen Betriebsförderung bilden häufig die Angebote im Betrieb.
Moderne Unternehmen haben längst erkannt, dass betriebliche Gesundheitsförderung seinen eigenen Beitrag zum Erreichen der Unternehmensziele leisten kann. Einen ganz bedeutenden Anteil hat diese Form der betriebsinternen Fürsorge durch den Arbeitgeber und besonders auch im Bereich der Personalbindung oder Personalaquise.
Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Gesundheitsförderung nicht nur kurzfristig angelegt ist, sondern nachhaltig. Nur eine dauerhaft wirksame betriebliche Arbeitsschutz- und Gesundheitspolitik im Unternehmen schützt und fördert die Gesundheit der Mitarbeiter, erhält deren Beschäftigungsfähigkeit und sorgt für eine höhere Leistungsfähigkeit und konstante Leistungsbereitschaft.

Die Beschäftigung mit „Gesundheitsförderung“ setzt voraus, dass die Definition von „Gesundheit“ geklärt wird. Dazu einige Formulierungen:

  • Ist der Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens (WHO,1948)
  • Ist der Zustand, der auf die Mehrheit aller Menschen in einer Region zutrifft
  • Ist Abwesenheit von Krankheit
  • Ist der Zustand unentdeckter Krankheit
  • Ist die Fähigkeit zur Problemlösung und Gefühlsregulierung, durch die ein positives seelisches und körperliches Befinden, insbesondere ein positives Selbstwertgefühl, und ein unterstützendes Netzwerk sozialer Beziehungen erhalten oder wiederhergestellt wird (Badura,1999)


Jeder Mensch, auch wenn er sich überwiegend als gesund erlebt, hat auch kranke bzw. gefährdende Krankheitsanteile, und so lange Menschen am Leben sind, müssen Teile von ihnen noch gesund sein. (Antonovsky,1989).
Gesundheit ist nicht nur abhängig von vorhandenen Belastungen, sondern auch von der Art des Umgangs mit diesen Belastungen. Persönliche Gesundheitsprobleme werden nicht nur gestärkt durch Angebote zur Ernährung und Bewegung oder Raucherentwöhnung, sondern auch durch Anerkennung und Förderung der fachlichen und sozialen Kompetenzen. Gesundheitsförderung setzt am Menschen und seiner direkten Umwelt an, z.B. durch persönlichkeitsfördernde Qualifizierung und Beratung, Förderung von gegenseitiger Unterstützung, Erweiterung der Handlungsspielräume durch Transparenz der Geschäftsführung oder optimale Gestaltung von Arbeitsbedingungen und Arbeitsabläufen (Badura/Münsch/Ritter,1997).



Qualitätskriterien für die betriebliche Gesundheitsförderung des Europäischen Netzwerkes für betriebliche Gesundheitsförderung

  1. Betriebliches Gesundheitsmanagement wird als Führungsaufgabe wahrgenommen, hierzu gehören insbesondere:
    Unterstützung und Einbindung des Managements und der Führungskräfte
    Integration in die Unternehmenspolitik
    Bereitstellung von ausreichend finanziellen und materiellen Ressourcen
     
  2. 2.Mitarbeiter werden möglichst weitgehend an der Planung und Durchführung betrieblicher Gesundheitsförderung beteiligt.
     
  3. Betriebliches Gesundheitsmanagement beruht auf einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis sowie sorgfältige Analysen und wird kontinuierlich verbessert.
     
  4. Fördernd ist eine professionelle, dauerhafte und miteinander verknüpfte Betreibung und kontinuierliche Information aller Beteiligten.
     
  5. Der Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung wird anhand ausgewählter Indikatoren bewertet und gemessen.



Zur Umsetzung haben die Spitzenverbände der Krankenkassen gemeinsame und einheitliche Handlungsfelder und Kriterien in einem „Leitfaden Prävention“ formuliert, der zuletzt am 02.06.2008 aktualisiert worden ist. Dieser Leitfaden legt folgende Handlungsfelder fest:

  • Arbeitsbedingte physische Belastungen
  • Betriebsverpflegung
  • Psychosoziale Belastungen
  • Suchtmittelkonsum.


Diese kurze Darstellung der gesetzlichen Grundlagen verdeutlicht, dass es auf dem Feld eine Vielzahl von Akteuren gibt. Das erschwert einerseits die Umsetzung, ermöglicht aber auch, meist einen zuständigen Akteur und häufig auch Kostenträger zu finden, der den Aufwand für den Betrieb akzeptabel macht.

Die jährlich entstehenden Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen und Frühverrentung belaufen sich derzeit wie folgt:
Arbeitsbedingte vorübergehende Krankheiten:
Direkte Kosten 17,7 Mrd. Euro
Indirekte Kosten: 15,7 Mrd. Euro

Arbeitsbedingte Frühberentung
Direkte Kosten 0,9 Mrd. Euro
Indirekte Kosten 5,6 Mrd. Euro

Dies ergibt einen Gesamtkostenanteil von 43,9 Mrd. Euro. (Quelle: BKK Bundesverband,2007) Der betriebliche und gesellschaftliche Schaden ist also enorm.



Mögliche Partner bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements

1) Betriebsspezifischen Angebote der Krankenkassen, wie z.B. spezielle Analysen, Gesundheitszirkel, AU Datenanalysen, Arbeitssituationsanalyse, Mitarbeiterbefragungen , Maßnahmen wie Stressmanagement, Seminare für Führungskräfte, Nichtraucherangebote, Rückenschule…

2) Angebote der Unfallversicherung, wie z.B. betriebsübergreifende kostenfreie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, welche themenspezifisch an alle Arbeitnehmer gerichtet sind

3) Steuerliche Förderungen, z.B. können Arbeitgeber seit dem Jahressteuergesetz 2009 ihren Mitarbeitern bestimmte gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten, die bis zu einem Betrag von 500,00 € pro Mitarbeiter und Jahr steuerfrei bleiben (§ 3 Nr. 34 EStG). Diese müssen hinsichtlich der Qualität, Zweckbindung und Zielrichtung den Anforderungen der § 20 und 20a des SGB V entsprechen

4) Anreize der Unfallversicherung, wie z.B. die Gewährung von Prämien zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufserkrankungen bei wirksam getroffenen betrieblichen Maßnahmen nach § 162, Abs. 1 und 2 des SGB VII

5) Anreize der Krankenkassen, wie das Angebot der finanziellen Unterstützung zur Durchführung eines BGM sowohl für Analysen als auch für Maßnahmen in Form von Bonusprojekten, was eine finanzielle Entlastung der Betriebe ermöglichen soll

6) Anreize der Rehabilitationsträger und Integrationsämter, diese können Arbeitgeber, die ein betriebliches Wiedereingliederungsmanagement eingeführt haben, durch Prämien und/oder Bonus nach § 84, Abs. 4 des SGB IX fördern


Die Etablierung der BGF als kontinuierlicher Verbesserungsprozess sorgt für den langfristigen Erfolg der Maßnahmen. Im Qualitätsmanagement wird dieser Zyklus aus Maßnahmen, Planung, Umsetzung und Überwachung auch kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) genannt. Die klassische Darstellungsweise, besonders im Gesundheitswesen, ist der Deming Zyklus oder auch PDCA Zyklus. Die Buchstaben stehen für die Schritte Plan (planen), Do (durchführen), Check (überprüfen) und Act (verbessern).Für die BGF im Unternehmen heißt das, Gesundheitsförderung hat prozesshaften Charakter, Maßnahmen werden nicht isoliert als Einzelmaßnahme umgesetzt, sondern in einem Gesamtprozess eingebettet, der immer wieder von vorn beginnt.


Um ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu implementieren, gehen wir nach folgenden Schritten vor:

  • Vorbereitung/Planung
  • Start/Auftakt/Einstieg
  • Mitarbeiterbefragung
  • Bestandsaufnahme/Analyse
  • Kontaktaufbau mit möglichen Kooperationspartnern
  • Maßnahmenplanung
  • Maßnahmendurchführung
  • Evaluation/Erfolgsbewertung/Wirksamkeitsprüfung


Von wesentlicher Bedeutung für die Akzeptanz betrieblicher Gesundheitsförderung bei Unternehmensleitung, Arbeitnehmervertretung und vor allem den Beschäftigten ist die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten schon bei der Projektplanung, Gefährdungsbeurteilung, Ableitung von Maßnahmen und organisatorischen Prozessen. Die Beachtung folgender Schritte entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg:

  1. Erfassung, Analyse und Bewertung der Belastungen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließlich Auswertung vorhandener Messdaten etc.
  2. Erörterung der Ergebnisse mit allen Beteiligten und Ableitung von Maßnahmen im Konsens
  3. Geeignete Kooperationspartner zur Umsetzung innerhalb und außerhalb des Betriebes finden
  4. Erarbeitung eines inhaltlichen Konzepts auf Grundlage der konkreten betrieblichen Rahmenbedingungen und Belastungen
  5. Kostenfrage klären – Träger mit ins Boot holen
  6. Zeitlichen Rahmen abstecken (innerhalb/außerhalb der Arbeitszeit, zeitlicher Umfang und Dauer der Maßnahmen)
  7. Evaluation


Die Erstellung eines Rahmenkonzepts für einen Zeitraum von 2 Jahren ist hier zu empfehlen. Zudem sollte im Vorfeld eruiert werden, welche der Teilbereiche im Sinne des Geschriebenen bereits Anwendung finden.


Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich die Betriebe jetzt und sofort den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen und entsprechende Ansätze in der Arbeits- und Personalpolitik entwickeln - zu einer zukunftsorientierten Personalpolitik. Die Aufgaben sind vielfältig und für viele Betriebe auch vollkommen neuartig. Unternehmen brauchen Unterstützung durch Beratung, Good-Practice-Beispiele und Handlungsleitlinien, denen wir mit unserem Know how und namhaften Kooperationspartnern zu Seite stehen. Die GMB Beratung GmbH blickt, besonders im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements, auf eine langjährige und weitreichende Zusammenarbeit mit der AOK zurück. Sie ist im beschriebenen Bereich derzeit der 1. Ansprechpartner für ca. 80% der in der Pflege und dem allgemeinen Gesundheitswesen für in diesem Bereich bereits aktive Einrichtungen.

Von ausgetretenen Pfaden in der Mitarbeiterführung muss abgewichen werden. Es gilt, sowohl für sich selbst als auch für die Mitarbeiter, einen positiven Leistungswillen zu implementieren, der keinen Druck erzeugt, sondern Begeisterung weckt. Nur der Erfolg „von innen“ bringt ein Unternehmen voran, ganz im Sinne von: „Lebe deine Stärken“.

 

Verantwortlich für den Inhalt ist die GMB Rathje Beck GmbH Unternehmensberatung.

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